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Führt das Fehlen von Dateianordnungen beim BND zur Rechtswidrigkeit der Datenverarbeitung?

In der 130. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags am 15.2.2017 ist die Frage angesprochen worden, wie das Fehlen einer im BND-Gesetz vorgesehenen Dateianordnung zu bewerten sei. Der Bundestagsabgeordnete Schipanski wird in einem Beitrag des Blogs Netzpolitik mit der Aussage zitiert, ich hätte als ehemaliger Bundesbeauftragter für den Datenschutz die Auffassung vertreten, dass es sich beim Fehlen einer Dateianordnung bloß um einen „formalen“ Gesetzesverstoß handele, der keine materielle Rechtswidrigkeit der Datei zur Folge habe.

Richtig ist: Nicht jeder Verstoß gegen Verfahrensvorschriften des Datenschutzrechts führt automatisch zur Rechtswidrigkeit der entsprechenden Datei. Aus einem fahrlässigen „Versäumen“ einer gesetzlich vorgesehenen Verpflichtung allein ergibt sich nicht zwingend eine Löschungsverpflichtung der betreffenden Daten. Anders sieht es aber aus, wenn eine Dateianordnung – und damit auch die Meldung gegenüber dem/der Bundesdatenschutzbeauftragten willentlich oder sogar systematisch unterbleibt und somit eine datenschutzrechtliche Prüfung der Datei nicht möglich ist. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Dateianordnung, die von der zuständigen Fachaufsicht (beim BND übt das Bundeskanzleramt diese Funktion aus) zu genehmigen ist, die Zwecke der Verarbeitung und die Voraussetzungen der Speicherung, Übermittlung und Nutzung (betroffener Personenkreis, Arten der Daten) festzulegen hat. Ohne Dateianordnung fehlen diese zentralen verfahrensrechtlichen Sicherungen.

Eine solche Praxis – die es offenbar gegeben hat – ist nicht nur als „minder schwerer“ Formalverstoß zu bewerten, sondern als Aushebelung der unabhängigen Datenschutzkontrolle, die vom Bundesverfassungsgericht in seiner Rechtsprechung seit dem Volkszählungsurteil von 1983 als unabdingbar für die Wahrung der Grundrechte angesehen wird.

Das BVerfG führt dazu in Rz. 207 des Urteils des Ersten Senats vom 24. April 2013 – 1 BvR 1215/07 -(„Antiterrordatei“) aus:

„Die aufsichtliche Kontrolle flankiert die subjektivrechtliche Kontrolle durch die Gerichte objektivrechtlich. Sie dient – neben administrativen Zwecken – der Gewährleistung der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung insgesamt und schließt dabei den Schutz der subjektiven Rechte der Betroffenen ein. Dass auch Anforderungen an die aufsichtliche Kontrolle zu den Voraussetzungen einer verhältnismäßigen Ausgestaltung der Datenverarbeitung gehören können (vgl. BVerfGE 100, 313 <361> unter Verweis auf BVerfGE 30, 1 <23 f., 30 f.>; 65, 1 <46>; 67, 157 <185>), trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich bei der Speicherung und Verarbeitung von Daten um Eingriffe handelt, die für die Betreffenden oftmals nicht unmittelbar wahrnehmbar sind und deren freiheitsgefährdende Bedeutung vielfach nur mittelbar oder erst später im Zusammenwirken mit weiteren Maßnahmen zum Tragen kommt. Eingriffe in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung können deshalb auch dann unverhältnismäßig sein, wenn sie nicht durch ein hinreichend wirksames aufsichtsrechtliches Kontrollregime flankiert sind. Dies hat umso größeres Gewicht, je weniger eine subjektivrechtliche Kontrolle sichergestellt werden kann.“

Die  Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollmechanismen und sonstigen verfahrensrechtlichen Sicherungen führt also zur materiellen Rechtswidrigkeit.